Bei einem Herzstillstand entscheiden die ersten Minuten, und in diesen Minuten ist der Rettungsdienst in der Regel noch nicht da. Thematisiert wurde deswegen die Bedeutung der Laienreanimation bei der zweiten Veranstaltung der Herztage im Ludwig-Hofacker-Haus in Bad Wildbad, die auf den „Tag der Wiederbelebung“ fiel. Dr. med. Ulrich Lunkenheimer, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Oberes Enztal e.V., sprach die einleitenden Grußworte. Die Zeit bis zum Eintreffen der Retter müsse sinnvoll überbrückt werden, sagte er. Dafür stehe auch die Aktion Region der Lebensretter im Landkreis Calw.
Wie wichtig diese Zeit der überbrückenden Maßnahmen ist, erklärte Vladimir Kostov, Oberarzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie an den Kliniken Calw im Klinikverbund Südwest. Ohne Sauerstoff halten Muskelzellen mehrere Stunden durch, Gehirnzellen beginnen schon nach drei bis fünf Minuten abzusterben. Deshalb überleben nur etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen ohne bleibende Schäden. Wer das Herz in dieser Zeit nicht wieder in Gang bringt, verliert also zuerst das, was sich am schlechtesten ersetzen lässt. Je früher die Wiederbelebung beginnt, desto größer ist die Chance, ohne Folgeschäden zu überleben.
Wie oft Umstehende eingreifen, unterscheidet sich von Land zu Land. In Deutschland wird bei rund 60 Prozent der Herzstillstände jemand Zeuge, wiederbelebt wird jedoch viel seltener. In den USA beginnen rund 40 Prozent der Anwesenden mit der Herzdruckmassage, in Großbritannien 5 bis 10 Prozent, in den nordischen Ländern mehr als 60 Prozent. „Wir brauchen Ihre Hilfe, sonst schaffen wir es nicht, Leben zu retten“, sagte Kostov.
Er nannte die Schritte, auf die es im Notfall ankommt: den Zustand erkennen, die 112 wählen, Hilfe holen und sofort mit der Reanimation beginnen. Dazu gehören 30 Herzdruckmassagen im Wechsel mit zwei Beatmungen. Wer nicht beatmen möchte, drückt ohne Pause weiter. Wie das am Telefon abläuft, zeigte Justin Frank von der Integrierten Leitstelle, der gemeinsam mit einem Freiwilligen aus dem Publikum eine telefonisch angeleitete Reanimation durchspielte.
Neben den Vorträgen gab es wieder einen Reanimationsparcours. Der Rettungsdienst war mit Einsatzkräften vor Ort, das Jugendrotkreuz stellte sich vor, und die Sozialen Dienste informierten unter anderem über den Hausnotruf. Interessierte Jugendliche des JRK Calw waren mit ihrer Jugendleiterin gekommen. Sie übten an den Reanimationspuppen und stellten ihr Wissen in einem Spiel über einen Rettungsablauf unter Beweis.
Im Gespräch mit dem Publikum ging es um den Herzinfarkt, von dem zunehmend jüngere Menschen betroffen sind. Der jüngste Patient, den Kostov im vergangenen Jahr behandelte, war 32 Jahre alt. Als Ursachen für die immer jüngeren Patienten in der Kardiologie nannte er Nikotin, Drogen, Bewegungsmangel und erbliche Faktoren, außerdem Vergiftungen. Energydrinks bezeichnete er als extrem gefährlich. Gefragt wurde auch, wie sich der Herzmuskel kräftigen lässt. Kostov erklärte, dass schon eine Grippe Herzmuskelzellen schädigen kann. Die entstehenden Entzündungen vernarben, und aus den Narben kann Vorhofflimmern entstehen. Das Risiko senken können körperliche Fitness und eine mediterrane Ernährung. Viele weitere Fragen betrafen die Organspende.
Über Angebote im Kreis Calw, bei denen sich die Wiederbelebung lernen lässt, informiert der DRK-Kreisverband unter drk-kv-calw.de. „Jeder kann etwas tun, vom Kind bis zum Greis“, sagte Lunkenheimer zum Abschluss nachdrücklich und ermutigte die Anwesenden ihren Teil dazu beizutragen, um die Überlebensquote soll steigern.












