· Würzbacher Kreuz

Ein Bau mit Signalwirkung

Das Richtfest am DRK-Zentrum Calw West markiert den nächsten Schritt für eine moderne Infrastruktur im Rettungsdienst und im Bevölkerungsschutz

Wer sich fragt, warum ein modernes Rettungszentrum ausgerechnet in Holzbauweise entsteht, findet in unserem aktuellen Bauprojekt eine spannende Antwort. Die Entscheidung für Holz ist nicht nur ein Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und regionaler Wertschöpfung, sondern auch ein mutiger Schritt, der in unserer Region Seltenheitswert hat. Doch wie kam es dazu, welche Herausforderungen mussten bewältigt werden und was erwartet uns in den kommenden Monaten? Ein Blick hinter die Kulissen unseres Richtfests am neuen Rettungs- und Ausbildungszentrum im Interkommunalen Gewerbegebiet „Würzbacher Kreuz“  liefert die Antworten.

Am Tag des Richtfests Mitte Juli versammelten sich zahlreiche Gäste auf der Baustelle, um gemeinsam einen wichtigen Meilenstein zu feiern. Unter den Anwesenden waren nicht nur Handwerker, Architekten und Fachplaner, sondern auch Vertreter aus Politik, Verwaltung und Ehrenamt. Die Atmosphäre war geprägt von Stolz und Erleichterung, denn der Rohbau steht, und das trotz mancher Widrigkeiten, die das Baugeschehen begleitet haben. Besonders die Handwerker, die bei Wind und Wetter ihre Fähigkeiten unter Beweis stellten, wurden für ihren Einsatz gewürdigt. Ihr handwerkliches Geschick und ihre Ausdauer haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Gebäude nun Form annimmt.

Für die passende Stimmung sorgten Luca Rockenbauch, Ann Kathrin Wurm und Elena Beuerle, die das Fest mit Gesang, Percussion, Saxophon und Keyboard begleiteten. Mit den Stücken "Lean on Me", "Auf uns" und "O Happy Day" trafen sie genau den Ton des Tages, zwischen Dank, Zuversicht und gemeinsamem Aufbruch, und gaben dem Richtfest von Anfang an einen feierlichen Rahmen. 

In seiner Rede erinnerte Walter Beuerle, Präsident des DRK-Kreisverbandes Calw e.V., an die Beweggründe für das Bauprojekt. Der Rettungsdienst leide seit Jahren unter akutem Platzmangel, so Beuerle. Krankentransportstandorte seien ausgelagert, und der Reservefuhrpark des Rettungsdienstes stehe teilweise im Freien. Ähnlich eng sei die Lage in der Ausbildung, in der Breitenausbildung ebenso wie in der Helferausbildung im Katastrophenschutz. Hinzu kämen neue Vorgaben zur Vorhaltung von Material, die sich seit der Coronapandemie geändert hätten. Nach eingehender Prüfung habe das Präsidium dem Bauprojekt am Würzbacher Kreuz zugestimmt. "Zentral im Kreis Calw gelegen, dient sie mit all ihren Funktionen künftig den Bürgerinnen und Bürgern, um noch effizienter und besser Hilfe leisten zu können", sagte Beuerle. Das Gebäude sei kein Selbstzweck, sondern Infrastruktur für jeden.

Die Entscheidung für die Holzbauweise war keineswegs selbstverständlich. Sie ist das Ergebnis intensiver Beratung und Planung, bei der die Vorteile von Holz überzeugten, etwa die ökologische Bilanz und die Nutzung regionaler Ressourcen. Die Architekten Frieder und Max Großmann begleiteten das Projekt mit viel Engagement und Überzeugungskraft. Auch wenn der Holzbau im gewerblichen Bereich noch als Exot gilt, zeigt unser Projekt, dass nachhaltiges Bauen und moderne Anforderungen an Funktionalität und Sicherheit sich nicht ausschließen.

Welche Bedeutung der Neubau für den gesamten Landkreis hat, machte Dr. Frank Wiehe, Erster Landesbeamter des Landkreises Calw, in seinem Grußwort deutlich. Die medizinische Versorgung im Kreis hänge nicht allein von der Leistung der Krankenhäuser ab, sagte er, sondern maßgeblich auch von einem funktionierenden Rettungsdienst. Der Neubau sei deshalb eine Investition in die medizinische Versorgung der gesamten Region. Angesichts eines Bevölkerungsschutzes, der zunehmend in den Fokus rücke, und immer heftigerer Unwetter, die die Region künftig stärker fordern würden, seien verlässliche Rettungsstrukturen unverzichtbar. Die Bevölkerung erwarte, dass alle Beteiligten an den Schnittstellen eng zusammenarbeiten. Wiehe betonte sein uneingeschränktes Vertrauen in den DRK-Kreisverband Calw und dankte ausdrücklich für den Mut zu diesem Projekt, insbesondere für den Mut, dabei auf Holzbau zu setzen.

Der Weg bis zum Richtfest war von zahlreichen Entscheidungen und Herausforderungen geprägt. Ausgangspunkt war ein Gutachten für den Rettungsdienstbereich Calw, das den Bedarf für einen Neubau aufzeigte. Von der ersten Idee bis zum heutigen Baufortschritt mussten viele Hürden genommen werden, organisatorisch, technisch und manchmal auch emotional. Doch das bisherige Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Dach ist dicht, der Richtbaum steht, und die weiteren Arbeiten können nun im Trockenen fortgesetzt werden. Mit dem Abschluss des Rohbaus ist ein wichtiger Abschnitt geschafft, doch das Projekt ist noch nicht am Ziel. In den kommenden Monaten werden die Ausbauarbeiten weiter voranschreiten,  die Einweihung des Gebäudes ist für das nächste Jahr geplant. Darüber hinaus steht bereits ein weiteres Bauvorhaben in den Startlöchern: Die Integrierte Leitstelle, ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Landkreis, wird das Gebäude künftig ergänzen und die Infrastruktur für den Rettungsdienst weiter stärken. 

Das Richtfest endete mit dem traditionellen Richtspruch durch Zimmermeister Karl Heinz Frey, einem Segenswort von Pfarrer Maximilian Schiek und einer Einladung zu Essen, Trinken und einer Führung über die Baustelle. Für alle Beteiligten war es ein Tag der Wertschätzung und ein Ausblick auf das, was noch kommt. Unser Holzbauprojekt steht für Innovation, Gemeinschaft und Verantwortung gegenüber der Region. Wir freuen uns darauf, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen und halten Sie über die nächsten Schritte auf dem Laufenden.