Unser Fahrgast trug einen lang gehegten Wunsch in sich, für dessen Realisierung er aufgrund einer schweren Erkrankung keine Chance sah. Deshalb sprach er auch nicht darüber. Die Leiterin des Nagolder Pflegeheims, in welchem unser Fahrgast wohnt, machte ihren Bewohner auf das Angebot der „Glücksmomente“ des DRK-Kreisverbandes Calw e.V. aufmerksam. Allmählich konkretisierte sich der Wunsch des Bewohners, dessen Umsetzung vom Team der DRK-Glücksmomente vorbereitet wurde.
Unser Fahrgast wollte gerne das Dorf besuchen, aus dem seine Großmutter stammte. Doch leider mussten im Zuge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes bei Münsingen alle Bewohner des Dorfes Gruorn bis 1939 ihre Heimat verlassen. Vom ehemaligen Dorf steht noch das gut erhaltene Schulhaus, das heute das Museum und eine Gaststätte beherbergt. Die Kirche wurde mit großem ehrenamtlichen Engagement und enormen Kosten renoviert. Über Günter B., den ersten Vorsitzenden des Komitees zur Erhaltung der Kirche in Gruorn, wurde die Zufahrt zum abgeschrankten ehemaligen Truppenübungsplatz geregelt.
Am Tag der Reise war unser Gast beim Eintreffen des Glücksmomenteteams, Barbara und Ulf, bereits reisefertig. Im Tragestuhl konnte das Fahrzeug bequem erreicht werden. Nach der Versorgung mit Sauerstoff begann die Reise zu den Wurzeln. Die Großmutter fand nach der militärischen Absiedlung eine neue Heimat in Tübingen-Unterjesingen. Dort hat auch unser Fahrgast seine Kindheit verbracht. Ohnehin auf der Fahrstrecke liegend, fuhren wir das Wohnhaus und die Schule in Unterjesingen an. Wegen des Bezugs der Familie zum Weinbau war unser nächstes Ziel das Weingärtnerviertel in Tübinge. Selbstverständlich gab unser Gast dort einen seiner beliebten Googenwitze (Googen werden die Tübinger Weingärtner genannt) zum Besten.
Über Reutlingen und Bad Urach ging es anschließend auf die Schwäbische Alb. In Römerstein-Zainingen sollte die Einfahrt in den ehemaligen Truppenübungsplatz erfolgen. Zuvor wurde noch bei der Zaininger Hüle ein Zwischenhalt eingelegt. Die Hüle diente zur Wasserversorgung. Wegen des durchlässigen Kalksteins auf der Schwäbischen Alb lässt sich hier eigentlich kaum Wasser zurückhalten. Aufgrund des vulkanischen Ursprungs ist das in Zainingen jedoch möglich.
Nun konnte die Weiterfahrt nach Gruorn beginnen. Wegen der Gefährdung durch Munitionsreste kann der ehemalige Truppenübungsplatz nur mit einem Guide befahren werden. Wanderer dürfen zum eigenen Schutz die gekennzeichneten Wege nicht verlassen. In Gruorn angekommen nahm sich unser Guide viel Zeit zur Darstellung der wechselvollen Geschichte des Dorfes. Zunächst wurde die aufwändig renovierte Kirche, die für die ehemaligen Bewohnenden und deren Nachfahren ein wichtiges Denkmal ist, besucht. Im ehemaligen Schulhaus ging die Führung weiter. Ein besonderes Highlight war das Ortssippenbuch in dem die Herkunftsfamilien aufgeführt werden. Das Buch erhielt unser Fahrgast als Geschenk. Mit einem herzlichen Dank an unseren Guide Roland B. wurde die Rückreise angetreten. Erschöpft, aber glücklich kehrte unser Fahrgast nach Nagold zurück.
Die Glücksmomente erfüllen ehrenamtlich Herzenswünsche in der letzten Lebensphase oder, wie mit unserem Fahrgast, für Menschen, die aufgrund einer schweren Erkrankung auf die Ausstattung eines Krankentransportfahrzeugs und kompetentes Begleitpersonal angewiesen sind.
Von: Ulf Lamparter






