· Pressemitteilung

Menschliche Nähe in der Krise – die Arbeit der PSNV im Kreis Calw

Ein Teil des PSNV-Teams rund um Bereitschaftsleiterin Daniela Wurster (2.v.l.) und ihrer neuen Stellvertreterin Marion Luer (mittig).

Die PSNV des DRK-Kreisverbandes Calw e.V. zieht Bilanz – und blickt mit gewachsenem Team nach vorne.

Es sind die Momente, in denen Worte kaum reichen und trotzdem alles bedeuten: Der Anruf mitten in der Nacht. Die Haustür, an der jemand klopft, dessen Nachricht das Leben einer Familie für immer verändern wird. Die Stille nach einem Unfall. In genau diesen Momenten sind sie da: die Kräfte der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) des DRK-Kreisverbandes Calw e.V. Und ihr Einsatz im Jahr 2025 war größer denn je.

701 Menschen in einer der schwersten Stunden ihres Lebens begleitet – diese Zahl steht für das, was die PSNV des DRK in 2025 geleistet hat. 196 Einsätze gab es im vergangenen Jahr im Landkreis Calw, bei 106 davon war das Rote Kreuz, zumeist in enger Zusammenarbeit mit dem kirchlichen Träger der Notfallseelsorge im Kreis Calw, im Einsatz für die Bevölkerung. Eine Zusammenarbeit, die funktioniert, weil beide Seiten wissen: In der Krise zählt nicht die Trägerschaft, sondern der Mensch.

Mehr Einsätze, mehr Verantwortung und mehr Komplexität

Die Zahlen zeigen eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. 143 Einsätze fanden direkt in den Wohnungen der Betroffenen statt. Orte, die Schutz bedeuten sollten und plötzlich zum Ort des Schreckens für die Betroffenen wurden. Dazu kamen 36 außerhäusliche Einsätze sowie telefonische Beratungen. Die häufigsten Anlässe: die Überbringung von Todesnachrichten, Verkehrs- und Arbeitsunfälle, sowie laufende Wiederbelebungen. Das gesamte Kreisgebiet war Einsatzgebiet – von Calw über Nagold und Wildberg bis nach Altensteig und Schömberg/Bad Liebenzell als häufigste Einsatzorte.

Was Bereitschaftsleiterin Daniela Wurster besonders bewegt: die spürbare Zunahme von Einsätzen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. „Das sind Situationen, die uns nicht loslassen", sagt sie. Hinzu kamen vier Großeinsätze in Bad Teinach, Wart, Stammheim und Calmbach.

PSNV bedeutet nicht nur seelische Begleitung Betroffener. Es bedeutet manchmal auch, daran zu erinnern, dass ein Mensch in der Schockstarre essen und trinken muss. Es bedeutet, mit Menschen unterschiedlichster Herkunft in Berührung zu kommen, Sprachbarrieren zu überwinden, zu improvisieren und trotzdem Halt zu geben. Und es bedeutet, diese Momente mitzunehmen. Die schweren, aber auch die: die kleinen Zeichen von Dankbarkeit, die stillen Blicke, in denen etwas von Menschlichkeit aufleuchtet.

Ein Team, das wächst und zusammenhält

Derzeit zählt die PSNV-Bereitschaft drei vollausgebildete Kräfte. Seit Dezember verstärkt eine Hospitantin das Team, die sich aktuell in der Ausbildung zur PSNV-Kraft befindet. 2026 werden zwei weitere Einsatzkräfte die Ausbildung zur PSNV-B beginnen.

2025 wurden außerdem vier neue PEER-Kräfte ausgebildet. Dabei handelt es sich um speziell trainierte Ansprechpersonen für Kolleginnen und Kollegen der Einsatzorganisationen, die nach belastenden Einsätzen Unterstützung in kleinen Gruppen anbieten. Ein wachsendes Netz der inneren Stärke.

Elf Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen haben die PSNV-Kräfte 2025 wahrgenommen, darunter eine große Übung in Karlsruhe im Juli, bei der ein Massenanfall von Verletzten nach einem Busunfall simuliert wurde und die PSNV als Betroffenen fungierte, sowie eine Fachtagung in Wangen zum Thema „Der Helm schützt den Kopf – was schützt die Seele?“ Auch beim Floriansgottesdienst war das Team dabei und übernahm außerdem einen Vortrag vor Notfallsanitäterinnen und -sanitätern des DRK-Rettungsdienstes in Calw.

Neue Stellvertretung – einstimmig gewählt

Im Rahmen der Bereitschaftsversammlung wurde Marion Lüer einstimmig zur stellvertretenden Bereitschaftsleiterin gewählt. Sie erfüllt alle Voraussetzungen nach geltenden Vorgaben. Die Wahl leitete Simon Böttinger, stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter. Ein klares Signal: Das Team steht zusammen und ist für die Zukunft gut aufgestellt.

Neben all dem Schweren gehört auch das Menschliche dazu: gemeinsame Infostände, das Kinderschminken bei Veranstaltungen, helfende Hände und die Weihnachtsfeier, bei der das Team einfach mal durchatmet und füreinander da ist.

Die PSNV des DRK-Kreisverbandes Calw arbeitet still. Oft unsichtbar. Immer dann, wenn andere nicht mehr weiter wissen. Und genau darin liegt ihr Wert: für Menschen, die in ihrer dunkelsten Stunde jemanden brauchen, der bleibt.